Ob 20, 30 oder 40 Jahre – viele Solaranlagen halten deutlich länger, als vorher gedacht. Auch wenn die staatliche Vergütung nach 20 Jahren ausläuft, ist ein Weiterbetrieb sinnvoll. Doch nicht allen ist das bewusst – schnell ergeben sich Vorbehalte auf Grundlage von Vorurteilen. Wir liefern Argumente für Stammtisch- und Gartenzaungespräche.

"Nach 20 Jahren geht die PV-Anlage automatisch vom Netz!"

Nein, die Anlage kann weiterhin einspeisen und weiterbetrieben werden. Allerdings ändert sich die Vergütungshöhe: Statt der gesetzlichen EEG-Einspeisevergütung gibt es nach Ablauf der 20 Jahre den „Jahresmarktwert Solar“ – den durchschnittlich an der Börse erzielten Wert für Solarstrom. Davon wird noch eine Vermarktungspauschale abgezogen, die jährlich neu bestimmt und bundesweit einheitlich ist. Auf die Auszahlung der so berechneten Vergütung haben Sie gesetzlichen Anspruch – selbst wenn Sie nichts unternehmen wird der Strom weiterhin eingespeist und mit den entsprechend geringeren Werten vergütet.

 

Nur der Austausch gegen eine neue Anlage ergibt Sinn!

Hier gibt es zwei Seiten der Medaille: Aus Klimaschutzgründen und auch aus Ertrags-, bzw. Wirtschaftlichkeitserwägungen kann eine Erneuerung sinnvoll sein, um von der gleichen Fläche mehr Strom zu ernten. Die aktuellen Preise sind dabei enorm attraktiv. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist der Weiterbetrieb von Ü20-Anlagen aber ebenfalls sinnvoll. Insbesondere, solange keine größeren Reparaturen anstehen, kann dies mit wenig Aufwand fortgeführt werden. Sollten Sie sich für ein Ersetzen entscheiden, versuchen Sie die alten, funktionsfähigen Module für eine weitere Verwendung zu verschenken. Der SFV unterstützt beratend bei beiden Entscheidungen.

 

Ein Weiterbetrieb ist unwirtschaftlich!

Der Jahresmarktwert Solar war im vergangenen Jahr mit 2,816 ct / kWh leider so gering, dass er oft nur knapp die Kosten für Zählergebühr, Versicherung oder ggf. kleine Reparaturen decken konnte. Der größte Mehrwert ergibt sich dann, wenn die Anlage bei moderaten Umrüstkosten auf Eigenverbrauch umgerüstet werden kann – so kann der Betreiber seinen Strombezug reduzieren und Kosten sparen. Stehen keine größeren Reparaturen an, kann die Anlage noch einige Jahre kostendeckend weiter betrieben werden – auch wenn die Einnahmen durch die Anschlussvergütung nun deutlich reduziert sind. Der Umbau auf Eigenversorgung darf aber nicht zu teuer werden.

 

Ein Weiterbetrieb lohnt sich nur mit Speicher – der ist aber zu teuer!

Das kann man so nicht sagen. Ein Speicher kann helfen, den Eigenverbrauch zu erhöhen und somit mehr günstigen Solarstrom selbst zu nutzen. Allerdings ist die Nachrüstung oftmals aufwendiger und teurer, denn in den meisten Fällen muss auch der Wechselrichter mit erneuert werden. Ob sich diese Investition lohnt, sollte genau geprüft werden. Ein Weiterbetrieb der Anlage, besonders zur Eigenbedarfsdeckung, ist auch kostengünstig ohne Speicher möglich.

 

Alte Module haben eh kaum noch Leistung!

Das kommt drauf an. Die meisten Module haben eine Lebensdauer von über 30 Jahren – die uns bekannte, älteste Anlage ist von 1991 und läuft tadellos (siehe Link). Auch die Degradation ist oftmals geringer, als ursprünglich von den Herstellern angegeben, sodass viele Module nach 20 Jahren noch mehr als 80% ihrer Leistung bringen. Dennoch gibt es Einzelfälle, in denen Produktionsfehler oder schadhafte Rückseitenfolien zum Ausfall von Modulen führen – dies kann allerdings auch bereits innerhalb der 20 Jahre passieren.

Der Weiterbetrieb ist zu teuer und kompliziert!

Nein, ein Weiterbetrieb ist grundsätzlich kostenlos ohne weiteren Aufwand möglich. Wird die Anlage auf Eigenverbrauch umgerüstet, entsteht in der Regel ein einmaliger Aufwand von wenigen hundert Euro für die Arbeiten eines konzessionierten Elektrikers. Darüber hinaus ist lediglich eine Meldung beim Netzbetreiber  und bei der Bundesnetzagentur über die geänderte Betriebsweise nötig. Die Abrechnung läuft weiter wie bisher. Keine Abmeldung oder Umrüstung erforderlich.

 

Die Altanlagen verursachen ein riesiges Müllproblem

Das stimmt teilweise: Bis 2050 wird PV-Müll von vier Millionen Tonnen hierzulande erwartet. Aber Solarmodule können sehr gut recycelt werden: Bis zu 95 % der Rohstoffe sind recycelbar. Die Praxis muss allerdings noch ausgebaut werden – zurzeit ist es auch aufgrund geringer PV-Abfallmengen noch nicht rentabel. In jedem Fall ist es zu schade, wenn funktionsfähige Module weggeworfen werden – das gilt auch für Ü20-Anlagen! Sollte eine intakte Anlage dennoch abgebaut werden, können die alten Module auch verschenkt oder anders weiter verwendet werden (siehe Link beim folgenden Vorurteil).

 

Nach dem Abbau bleibt nur das Verschrotten der Module!

Nein. Die meisten Module sind nach Ablauf der 20 Jahre noch intakt und können auch weiterverwendet werden – auch an einem neuen Standort. Neben der Nutzung der gesamten Anlage im Eigenverbrauch können auch die Module einen neuen Einsatzort finden: zum Beispiel als Balkonsolaranlage, Solar-Tisch oder im Kleingarten- oder Campingbereich. Hier stellen wir Ihnen einige Ideen zur sinnvollen Weiternutzung der ausgeförderten Module vor.

Die Entsorgung ist aufwendig und teuer!

Nein. Sollten Sie keine Weiterverwendung für die Module finden, ist die Entsorgung in handelsüblichen Mengen beim lokalen Wertstoffhof kostenlos möglich. Teilweise übernimmt das auch Ihr Solarteur für Sie. Auf jeden Fall ist es ein Versuch wert, die Module auf Online-Plattformen oder in der näheren Umgebung zu verschenken anzubieten. So manch eine Anlage ist schon auf ein anderes Dach umgezogen. Vielleicht findet sich so ein glücklicher Abnehmer?

 

Die Dachpacht läuft aus - die Anlage muss weg.

Einige ältere Anlagen sind auf gepachteten Dächern installiert worden, deren Pachtmodell in der Regel auf 20 Jahre ausgelegt war. Ein Auslaufen der Dachpacht bedeutet jedoch nicht zwingend einen Rückbau der Anlage: Es lohnt sich immer, mit dem Eigentümer des Gebäudes nachzuverhandeln – für beide Seiten. Vielleicht ist er auch an einer Übernahme zur Eigenstromnutzung interessiert?

 

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